Schulchronik 1888 - 1893 Drucken
Geschrieben von Claus Claussen   
Donnerstag, 12. August 2010
In diesem Bericht sind die Seiten 27 bis 31 der Schulchronik enthalten.
Die Eintragungen sind nicht immer chronologisch aufgeschrieben worden.
Teilweise wurde Berichte aus anderen Unterlagen abgeschrieben.
Die Seiten waren in vier Rubriken aufgeteilt:
a)   Einschneidende Verordnungen / Einführung neuer Schulbücher / Ernste Disziplinarfälle
b)   Merkwürdige Naturereignisse / Sehenswürdigkeiten im Ort oder in der Schule
c)   Bedeutsame politische Ereignisse und deren etwaige Wirkungen auf den Ort
d)   Denkwürdige kirchliche, kommunale und andere Ereignisse im Orte oder in der nächsten
Umgebung

Ter Text wurde Buchstaben- und Wortgetreu abgeschrieben


Seite 27

Im August 1888 hatte die Geeste lange Zeit die ganze Niederung in einen See verwandelt. Infolge dessen wurde am 10. Oktober die Geeste vom Herrn Oberpräsidenten v. Bennigsen besichtigt. Man plant die Anlage einer Schleuse und Begradigung des Flusses. Man hofft vom Projekt eine bessere Entwässerung der Wiesen im Sommer, eine Bewässerung von schlickreichem Weserwasser im Winter, eine Kultur der Hochmoore, eine Verbesserung der Wiesenkäuter und eine Verminderung der Viehseuchen, eine größere Schiffahrt, da Torf nach den Unterweserorten hin, und Schlick und Stalldünger hergebracht werden können. Die Kosten sollen 600.000 Mark betragen, also pro ha 50 Mark.

Köhlen ist an der Begradigung mit etwa 325 ha beteiligt.

Man vergleiche die „Landwirtschaftliche Zeitung für den Regierungsbezirk Stade“

7. Jahrgang Nr. 22 vom 15. Nov. 1888

Die Landstraße nach Geestemünde ist Ende 1888 vollendet worden

Pastor Seekamp wurde Michaelis 1883 nach Hamelwörden in Kehdingen versetzt. Ostern 1886 kam Pastor von Issendorff nach Ringstedt bis Dez. 1892

Gemeindevorsteher war bis 1885 Johann Hillebrandt, nach jenem Jahre ist es Hinrich Claussen. Bei der Wahl war viel Uneinigkeit.

1887 gingen die Superintendanten Wittkopf und Hasenkamp in Lehe Debstedt als Kreisschulinspektoren ab. Zum reformierten Kreisschulinspektor wurde Müller in Blumenthal, zum lutherischen Rechtern in Lehe ernannt. Bald darauf wurde bestimmt, daß Pastor Rechtern die Kreisschulinspektion allein haben sollte im Bezirk Lehe, nach dieser Zeit steht die Schule also nur unter einem Kreisschulinspektor und zwei Lokalschulinspektoren.


Seite 28

Jahr

luth.

ref.

I. Kl.

II. Kl.

III. Kl.

Summe

Konfir-

mierte

Aufgenommene 7 jährige

1889

85

47

48

49

35

132

13

20

1890

78

50

51

41

36

128

12

13

1891

74

51

42

55

28

125

17

15

1892

79

59

46

51

41

138

13

23

1893

71

53

40

48

36

124

23

12

Während im Sommer 1888 insgesamt 11 (1886 = 15) dienende Kinder von anderen Ortschaften hier waren, und 2 von Köhlen in anderen Örtern, sind im Sommer 89 nur 7 Kinder von anderen Dörfern nach hier und 5 von hier gezogen.

Die Abnahme der dienenden Kinder von auswärts und das Wegziehen der Kinder von hier hat seinen Grund wohl in der Lage der Schulzeit, seit 1886 von 7 - 10 (Uhr ?) und ein strengen Halten auf regelmäßigen Schulbesuch.

gez. A. Requa Lehrer

Von 1886 - 1890 haben Kinder von Bockelah und Drachel die hiesige Schule besucht, sie blieben Michaelis 1890 aus, weil sie hier Schulgeld noch weiterzahlen sollten - Fremdenschulgeld.

Im Sommer 91 sind hier 5 dienende Kinder von auswärts. 2 Dienen aus Köhlen in anderen Dörfern.

Im Sommer 92 sind hier 6 dienende Kinder von auswärts. 3 Dienen aus Köhlen in andern Dörfern.

1890 Pforte, Thühren und Zaun vor dem Schulhause (75 Meter) neu gemacht.

1891 Schrank für Wandkarten, 2 Podien, 2 Katheder angeschafft.

Die Schulen müssen von Michaelis 1890 vierteljährlich von einer Frau, die der Schulvorstand bestellt, gründlich gereinigt werden. Bänke, Fußboden, Fenster, Thüren. Der Landrat hat dieses besonders für Köhlen angeordnet auf Veranlassung des Kreisschulinspektors.

Seit Neujahr 1892 wird alle 14 Tage jede Schulstube gründlich gereinigt.

Der Bau vor dem Schulhause zum Schutz der Thür wurde Michaelis 1892 hergestellt. Die Thür mußte auch zu dieser Zeit erneuert werden.

1892 wurden die biblischen Bilder von Wangemann angeschafft.

1893 wurden alle Schulgebäude von außen mit Ölfarbe angestrichen.

1893 wurde der Weg von der Pforte zum Pflaster der Landstraße mit Feldsteinen belegt. Die Siele an der Landstraße und dem Schulgrundstücke wurden erneuert.


Seite 29


Unterbrechung der Schule durch Behinderung des Lehrers, Seuchen, Schulfeste, Ferien etc., Lehrerwechsel

Vom 1. - 15. April 1891 nahm der Lehrer A. Requa an dem Obstbaukursus in Bremervörde teil, desgleichen vom 21. Sept. bis 28. September

Nach Ostern 1892 waren die Masern unter den Schulkindern, sie traten recht bösartig auf.

Als in Hamburg im August und September 1892 die Cholera sehr bösartig auftrat, wurden Vorsichtsmaßregeln von der Gemeinde angewandt; die Gemeinde wurde mit dieser Heimsuchung durch die Cholera verschont.

1891 pflanzte der Lehrer Requa Obstbäume auf das luth. Gartenland hinter der Schule.

Ostern 1893 wurde die Stundenzahl für Klasse 1 von 12 auf 16, für Klasse 2 von 18 auf 22 Stunden erhöht; infolge eines Ausschreibens der Regierung vom März 93

Am 8. Aug. 1889 von 2 - 4 Uhr ist die erste Klasse vom Lokalschulinspektor von Issendorff und die 2. Klasse vom Lokalschulinspektor Cramer besucht.

Am 11. Sept. 1889 hat der Kreisschulinspektor Rechtern aus Lehe die 1. und 2. Klasse revidiert. Nach Instruktion für die Kreisschulinspektoren in der Provinz Hannover vom 30. Sept. 1889 muß der Kreisschulinspektor in jedem Jahre wenigsten einmal jede ihm unterstellte Schule besuchen. Dafür können die Lehrer der Behörde nicht genug danken.

Am 22. Sept. 1890 Revision durch den Kreisschulinspektor Rechtern, der Schulvorstand war vollzählig zugegen, und es wurde beschlossen, das Inventar bedeutend zu vermehren.

2 Podien, 2 Katheder1, 1 Schrank, 1 Wandkarte von Europa

Am 28. Dez. 1891 wurde für Karsten Döscher Johann Tiencken Schulvorsteher.

H. Mangels wurde wiedergewählt.

Die Revision durch den Kreisschulinspektor Rechtern aus Lehe war am 26. Sept. 1892. Einige Mängel wurden beseitigt, die reformierten Schulvorsteher fehlten wohl, weil der luth. Prediger von Issendorf sich mit der ref. Gemeinde veruneinigte (?) hatte.

Am 4. Sept. 1893 besuchte der Herr Landrat Geiger aus Lehe die Obstbaumanlage des Lehrers A. Requa und ließ sich auch das Schulhau, die Lernmittel und dergleichen zeigen.

Am 23. Nov. 1893 war die Revision durch den Kreisschulinspektor Rechtern aus Lehe. Alle Schulvorsteher fehlten. Die Ortsschulinspektoren waren zugegen.


Seite 30


Seit dem 1. Aug. 1889 erhält jede Schulgemeinde aus der Staatskasse 680 Mark zur Besoldung der Lehrer. 500 Mark nach dem Gesetz vom 31. März 1889

Die Rechenbücher für Landschulen von Barkhaus und Wiese werden auf Befehl der Regierung von Ostern 1890 nach und nach eingeführt.

Nach der Verfügung des Herrn Ministers (Basse) in Berlin vom 16. Nov. 1892 ist in Köhlen fortan eine Lehrerstelle als erste und die andere als die zweite Lehrerstelle anzusehen.

Die beiden Lehrer würden nur dann noch als zwei „alleinstehende Lehrer“ im Sinne der Gesetze vom 14. Juni 1888 und 31. März 1889 angesehen werden können, wenn ein jeder Lehrer ausschließlich die Kinder seiner Konfession unterrichtet. Dies ist aber nach § 9 des Organisationsplans vom 6. Juli 1871 nicht dar Fall.

Die Regierung verlangte den überhobenen Betrag von 700 Mark für die Zeit vom 1. Okt. 1888 bis 1. August 1892 zurück.

Der Schulvorstand beschloß am 10. Jan. 1893 einstimmig, den Herrn Pastor Cramer, ref. (die luthrische Pfarre war vakant) zu beauftragen, einen Rekurs beim Minister einzureichen; der Rekurs wurde abschlägig beschieden. Schreiben der Regierung vom 10. Aug. 1893. Es wurde am 12. Mai 1893 beschlossen, am 1. Febr. 1894 die „angeblich überhobenen“ 700 Mark zurückzuzahlen, auf die Abtragung der Baukosten aber in dem Jahre zu verzichten. Der Schulvorstand legte einstimmig Verwahrung gegen alle anderweitigen Regelungen der Schulverhältnisse in Köhlen von der Regierung ein.

1891 ist bei der Schule eine Regenstation vom meteorologischen Institut in Berlin eingerichtet. Die Behörde hat wohl eine Station an der Geeste haben wollen. 1891 waren im Reg. Bez. Stade 21 Stationen.

1892 betrug die Niederschlagshöhe 638 mm. Die größte Tagesmenge betrug 25 mm, gemessen am 14.07.

Zahl der Tage mit mehr als 0,2 mm Niederschlag waren 158. Es schneite an 40 Tagen.

Köhlen liegt 8° 52’ östlich von Greenwich und 53° 33’ nördlicher Breite.

1893 betrug die Niederschlagshöhe 716 mm. Die größte Tagesmenge betrug 30,1 mm, gemessen am 21.09.

Die Zahl der Tage mit mehr als 0,2 mm Niederschlag waren 156. Es schneite an 15 Tagen.


Seite 31


Im Sommer 1889 fing man mit dem Bau einer Schleuse in der Geeste bei Brameln an. Es kostet der Regierung viele Mühe, daß die Hälfte der Gemeinden für die Begradigung der Geeste stimmte.

Die Begradigung der Geeste und der Bau der Schleuse war 1893 vollendet. Die Erde wurde durch Bagger herausgehoben, weil die Ufer nicht stehen bleiben wollten.

Der Mergel aus den Gruben „zwischen den Stegen“ nördlich von Köhlen, östlich von der Landstraße nach Bederkesa, enthält in den oberen Schichten nur 1,92 % kohlensauren Kalk, in den unteren Schichten nur 10,32 % kohlensauren Kalk.

Ersterer ist somit als Mergel nicht; letzterer nur wenig verwendbar.

Untersuchung von Dicke, Lehrer an der Ackerbauschule in Bremervörde am 04.03.1893

Am 8. Mai 1893 lief dem Hofbesitzer Pülsch von Altenkamp das Feuer beim Moorbrennen in die Heide, etwa 2.000 Morgen Heide brannten in der Brokoh ab; der Stühbusch war in Gefahr.

Heidebrände kamen in diesem Jahre auch vor in Ebersdorf, Geestenseth, Heerstedt usw.

Von 1890 bis 1893 legten die Holzinteressenten eine neue Forst beim Windbrakenholz an, die Forst im Südosten der Feldmark, in der Sandgrube, ließen sie eingehen, weil sich die Arbeit nicht bezahlt machte und der Weg zu weit war.

Von 1888 bis 1891 wurden etwa 500 m Chaussee bebaut bei dem Wege nach dem Windbrakenholze.

Fast nach jedem Hause im Dorfe führt ein gepflasterte Weg, dadurch haben die Straßen bedeutend an Reinlichkeit gewonnen.

Der Gemeindevorsteher Hinrich Claussen wurde 1891 fast einstimmig wiedergewählt.

Viehzählung am 1. Dezember 1892 Ergebnis für Köhlen

113

Zahl der Häuser überhaupt

111

Zahl der Häuser mit Viehbestand

116

Zahl der viehbesitzenden Haushaltungen

106

Pferde

526

Rinder

431

Schafe

465

Schweine

54

Ziegen

230

Bienenstöcke

Der Ortsschulinspektor und Pastor von Issendorff (von Ostern 1886 - Dez. 1892) zog am 1. Dez. 1892 von Ringstedt nach Wremen.

In Köhlen, Ringstedt und Kührstedt war nicht so viel Streit als in den anderen Dörfern der Kirchengemeinde. Wie es der Pastor verstanden hatte, sich die Gunst der luth. Gemeinde zu erwerben, zeigte der Besuch der Abschiedspredigt; viele Mitglieder begleiteten ihn beim Fortzuge bis Bederkesa

Am 22. Juni 1893 wurde Herr Pastor Köhler luth. eingeführt, derselbe war vordem in Warstade bei Lamstedt.

1891 = Inspektions-Missionsfest in Ringstedt,

1892 = Missionsfest für die Lutheraner in Ringstedt


  1. 1lt. Wikipedia = Pult des Schullehrers

 
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