Der Notteich am Spritzenhaus Drucken
Geschrieben von Claus Claussen   
Donnerstag, 07. August 2008


Straße + Haus-Nr. seit 1980 Nr. seit 1855;
davor
Notteich

Dorfstr. West

Teilweise wurde der Notteich auch im Buch „700 Jahre Köhlen ...“ auf den Seiten 388 - 391 behandelt.
 
Aus dem „Rechnungs Büchlein für die Dorfschaft Köhlen“(1) kann man folgendes entnehmen:
Ausgaben zum Sprützen Hause, welches 1823 gebaut wurde:

      Rthl grot
Harm Bätzendorf für Steine 6 18
Hans-Jürgen Müller für Sprützen Schmiere   54
Hinrich Henken für 2 Wege nach der Broc.   48
Peter Höllings hat am Sprützen Haus verdient 3 40
Johann Tienken Eidgeschworener, für einen Weg nach der Brocou   18
Carsten Scheper seine Rechnung wegen dem Sprützen Haus beträgt 17 21
Fabyan Sturken hat am Sprützen Haus verdient 2 43
Schmidt Wellert hat am Sprützen Haus verdient 2 29
Claus Brömmer für Tannen Holz zum Sprützenh. 4 48
Hinr. Henken für einen Feuerhaken Stiel   24
Lühr von Soosten für Pfähle 9 36
Christian Mangels in Ringstedt für Kalk 3 50
  Eiten in Lehe für Dachpfannen 6 48
Johann Tönjes und      
Harm Henken für geliefertes Holz zum Sprützen Haus 21 36
    Bey Carsten Hons beym Landverkauf verzehrt 3 56
    Für eine neue Sprütze bezahlt 72 45
    Für eine Hand Sprütze 6  
Hans-Jürgen Müller hat verdient Grundstein betreffs 4 62

Ob es vorher schon ein Spritzenhaus gegeben hat, ist nicht bekannt.

Seit wann es den Notteich an dieser Stelle gibt, ist nicht zu sagen.

In der Verkoppelungskarte von 1855 ist weder der Notteich noch das Feuerwehrhaus eingezeichnet.

Auf einer Landkarte von Köhlen aus dem Jahr 1874 ist das Grundstück mit dem Feuerwehrhaus zu erkennen, aber nicht der Notteich selber.
Auf der gleichen Karte ist auch die Verbindungsstraße von der „Dorfstr. West“ zur „Mühlenstr.“ zu erkennen. Sie wurde wahrscheinlich nach 1855 gebaut.


Eine Geschichte, die am Rande mit dem Notteich zu tun hat, wurde von Hermann Claussen (1882-1965) an seinen Enkel Hermann Claussen (1933) weitererzählt.
Es war wohl etwa um 1892, als Hermann Claussen mit anderen Kindern auf dem zugefrorenen Notteich Schlittschuhe lief. Da kam aus Bederkesa Herr Rothe mit einem Hochrad durch den Schnee geschoben. Die Kinder wollten gerne sehen, wie der Mann wohl auf dem Fahrrad aussehen wird, wenn es fährt. Sie folgten ihm bis nach Wollingst, dann kehrten sie wieder um, ohne das der Mann aufgestiegen war, weil auf der Straße zu viel Schnee lag. Der Mann wollte zum Bahnhof nach Stubben(2), um mit den Zug nach Berlin zum Geburtstag von Kaiser Wilhelm II am 27. Januar zu fahren.

Der Notteich wurde teilweise auch durch eine Entwässerungsleitung vom Schulhof mit Wasser gespeist. Die obige Zeichnung hat der Kupferschmiedemeister Wilhelm Paulsen (ohne Datum) erstellt.


Ein Foto vom Festmarsch beim Köhlner Sportfest 1923 zeigt den Notteich und das alte Spritzenhaus von 1823 im Hintergrund


Gemeindeausschußsitzung vom 07.06.1933  (Seite 46)

P2. Wurde beschlossen in den Notdeich am Spritzenhause eine Betonmauer längs zu ziehen um den Uferbruch einzudämmen. Die Ausführungsarbeiten sollen Wilh. Hubert übertragen werden.


An der nordöstlichen Ecke des Notteichs war ein etwa 1,50 m hohes Podest mit einer Handpumpe. Auf dem Podest standen die Feuerwehrmänner und pumpten das Wasser in einen Jauchewagen.


Auf der obigen Zeichnung von 1937 ist das alte und das neue Feuerwehrhaus zu erkennen.


Gemeinderatsprotokoll vom 11.05.1949 Punkt 11:

Um den Notteich soll bis zu Beginn der Bauarbeiten ein Maschendrahtzaun gezogen werden.

Gemeinderatsprotokoll vom 20.06.1949 Punkt 5:

Der Notteich soll sofort gesäubert und mit Maschendraht eingezäunt werden. Mit der Aufsicht der Arbeit wird Johann Twachtmann (1887-1960) beauftragt.

1951 wird der Notteich leergepumt, der Schlamm ausgegraben und dafür wird am 09.11.1951 an gleicher Stelle eine 96 m³ große Zisterne fertig gestellt und vom Kreisbrandmeister abgenommen.
Mindestens seit 1850 gab es die Hand- und Spanndienste.
Anhand der Größe eines Betriebes mußten Hand- und Spanndienste für die Gemeinde getätigt werden. Je angefangene 2 ha musste 1 Tag gearbeitet werden. Beim Spanndienst wurde ein Pferdegespann mit Wagen oder später ein Trecker mit Wagen zur Verfügung gestellt. Für den Handdienst zählte eine Person.
Überwiegend wurden die Hand- und Spanndienste zur Instandsetzung der Straßen und Wege benötigt. Es wurde aber auch z.B. der Sportplatz gepflegt, im Winter Schnee geräumt, Rohre verlegt, usw.
Die Hand- und Spanndienste wurden 1974 mit der Gründung der Samtgemeinde Bederkesa aufgehoben.
Zum Bau der Zisterne im Jahre 1951 wurden insgesamt 512 Tage Hand- und Spanndienste geleistet. Der Wert entsprach 1951 etwa 5,00 DM je Tag.

          Tage
28 und 19. Mai 1951 Kies fahren 53
7 bis 11. Sept. 1951 Ausschachten 139
11 bis 15. Sept. 1951 Ausschachten + Betonarbeiten 148
    15. Sept. 1951 Kies fahren 48
15 bis 23. Okt. 1951 Betonarbeiten 42
        Decke herstellen + Abflussrohr verlegen 54
    6. Nov. 1951 Entschalen 2
    8. Nov. 1951 Erdarbeiten 12
    15. Nov 1951 Erdarbeiten 14

Der Aufwand an Hand- und Spanndiensten wurde sehr hoch, weil die Ausschachtungsarbeiten des alten Notteiches sich äußert schwierig gestalteten.

Das 1823 erbaute Feuerwehrhaus wird 1947 von Friedrich Warnke abgerissen. (Zuvor wurde 1939 auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Mühlenstraße ein neues Feuerwehrhaus gebaut). Friedrich Warnke baut im „Ortbruch 16“ ein neues Haus.

Auf der Verbindungsstraße war vom 1.5.1970 bis zum 31.5.1997 die Haltestelle des Busses der VGB(3) (4). Bis 1970 führte die Verbindung über Schiffdorf, Bramel, Elmlohe und Kührstedt nur bis Ringstedt.
Ab dem 1.6.1977 wurde die Verbindung nach Köhlen aus Kostengründen eingestellt, weil auch nur noch sehr wenige Personen den Vorteil der direkten Verbindung von Bremerhaven nach Köhlen nutzten. Ab diesem Tag gab es nur noch die Bahnverbindung ab Geestenseth nach Bremerhaven.

Auf dem Notteich stand einige Jahre lang auch der Papier- und Glascontainer. Beim Leeren des Glascontainers wurde die Spitze einer Eiche beschädigt. Die Eiche wurde später ersatzlos gefällt.

Im Sommer 1999 wurde die Steinmauer an der „Dorfstr. West“ von Carsten von Soosten (1934), Rolf Hüner (1940) und Hinrich von Soosten (1937) in Erde aufgesetzt.

Der Platz wurde im Jahre 2000 renoviert. Der Beschluß wurde in der Ratssitzung vom 7.3.2000 gefaßt. In der Sitzung vom 11.7.2000 wurde bekanntgegeben, das die Renovierung der beiden Denkmalplätze in der Dorfmitte (bei Scheper) und an der Großenhainer Str. 73.300 DM gekostet hat, die Gemeinde hat einen Zuschuss von 28.000 DM erhalten.
Die Verbindungsstraße (Dorfstr. West zur Mühlenstr.) wurde aufgelöst und ein Stein mit der Inschrift „Köhlen 1300  Wappen  2000  “ aufgestellt.
Ein Schaukasten mit einem Straßenverzeichnis von Köhlen, eine Holzbank und ein Holztisch wurden aufgestellt.
Eine Eiche wurde gefällt. Aktuell stehen zwei Eichen auf dem Notteich.

In der Ratssitzung am 15.06.2004 wird beschlossen, daß die Pflegemaßnahmen für die gemeindeeigenen Plätze durch Vereine und Straßengemeinschaften durchgeführt werden sollen.
Der Notteich wird von der Jugendfeuerwehr unter der Leitung von Johann Reuter gepflegt.


Ende April/Anfang Mai 2005 wurde die Steinmauer an der „Dorfstr. West“ von Walter Pfeif und Reiner Richter in Zement neu aufgesetzt.


>>> Am 3. November 2007 pflanzte die Jugendfeuerwehr Osterblumen auf dem Notteich.


Quellen:
1) Schulchronik    Lehrer Meyer und weitere unbekannte Schreiber
2) 700 Jahre Köhlen 1300 - 2000  Gemeinde Köhlen
3) Knaurs Lexikon (Ausgabe 1969)
4) Hermann Claussen (*1933)
5) Nordsee-Zeitung
6) Gespräche mit Martin Hillebrandt, Anita Hillebrandt und Ernst Scholz
7) Protokollbücher    Gemeinde Köhlen
8) Rechnungsbüchlein der Dorfschaft Köhlen

Fussnoten
(1) Das „Rechnungs Büchlein“ wurde von Ernst Bauermeister aus Ringstedt abgeschrieben
(2) den Bahnhof in Geestenseth gab es damals noch nicht
(3) lt. Telefonat am 21.07.2008 mit Herrn Homann von „Bremerhaven Bus“
(4) VGB = Verkehrsgesellschaft Bremerhaven AG

 
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