Woher kommen wir Köhlener? Drucken

1986 geschrieben von Hermann Claussen für die 50-seitige Schrift "Wir Köhlener"


Aus den, mir zur Verfügung stehenden Unterlagen soll in kürzester Form versucht werden, aus der Entwicklungsgeschichte des Dorfes zu berichten.

Wie alt ist unser heutiges Dorf? Eine oft wiederkehrende Frage, sie läßt sich nicht ausreichend beantworten, es sei denn, wir gäben uns mit Rückschlüssen aus der Entwicklungsgeschichte zufrieden. Erst die geschriebene Geschichte läßt uns genaue Daten erfahren:

Anno 1300 hat Graf Hinrich von Woldenberg sein Eigenthum und Recht an den Gütern, welche die Baronen von Bederkesa von ihm zum Lehn hatten, insonderheit im DORF CÖLEN, an dem Goeste-Fluß, dem Closter Blankenburg geschenckt, wovon der Brief zu lesen in Hamelman, Chron. Oldenburg p. i. p 60

(Bremisch Verdischer Rittersaal Luneberg Mushard Seite 62) 15. August 1383
Meta, Hinrich Gogrewes Witwe, verkauft für 10 Mark Lübischer Pfennige zwei Eimer Roggen aus ihrem halben Zehnten in Köhlen an die Klosterfrau Lutgard von Gropelingen, Adelheit von Santbeck und Adelheid Hollings zu ihrer Leibzucht und bestimmt, daß nach ihrem Tode die Rente an das Kloster fallen soll, wofür die Memrie des Johann von Gropelingen gefeiert werden muß.

(Neuenwalder Urkundenbuch Seite 145 / Nr. 115)
Rechnet man dem heutigem Dorf Köhlen die Köhlener Feldmark zu, und das muß man wohl, sollten vier Verträge, die Desebüttel betreffen, nicht unerwähnt bleiben.
(Desebüttel = Mittelalterliche Wüstung im Desebruch)
1336, Februar 2., Bederkesa
Die Knappen Friedrich Marquard Wolf von Bederkesa verpfänden dem Kloster Altenwalde den 3. Teil von Gütern des weiland Swymann, den 3. Teil ihres Zehnten in Dalem und den 3. Teil ihrer Güter in Büttel für 16 Mark und setzen, falls das Kloster irgendwelchen Nachteil erleidet an Stelle des Zehnten in Dalem den in Desebüttel. Der Neffe Marquard Suring siegelt mit.

Neuenwalder Urkundenbuch Nr. 50 und Hadler Chronik Seite 89 / Nr. 119) 1337, Juli 4
Knappe Marquard Wolf von Bederkesa verkauft im Kloster 1/4 Landes in Sievern für 10 Mark Zeugen: Probst Willekin, Rektor von Bederkesa, Marquard und sein ständiger Vikar Gherard, Johann Desebüttel und Site

Neuenwalder Urkundenbuch Nr. 54 / und Hadler Chronik Seite 90 Nr. 124) 1338, Februar 5.
Knapp Marquard Wolf von Bederkesa verkauft dem Kloster 1/4 Landes in Sievern, das jährlich 16 Spiker Himpten Roggen, 12 Himpten Hafer und 8 Pfennige zinst, für 10 Mark. Zeugen: Pfarrer Meynard von Bederkesa, sein Vikar Gerad, Marquard, genannt Suring, Knappe Johann von Desebrug.

(Neuenwalder Urkundenbuch N. 57 / und Hadler Chronik Seite 90 Nr. 127)1347, März 25., Bederkesa
Die Brüder Hinrich und Sigbod, weiland Sigbods Söhne und Knappen von Bederkesa, verkaufen an das Kloster 1/4 Landes in Dalem mit allem Zubehör, namentlich der Holzung Haselhorn.
Zeugen: Luder von Osten un Johann von Desebüttel.
(Neuenwalder Urkundenbuch Nr. 73 / und Hadler Chronik Seite 97 Nr. 153)

Diese vier Urkunden sagen aus, daß es in der Zeit von 1336-1347 in Desebüttel wirtschaftende Höfe gegeben hat.

In diesem Zusammenhang sollen zwei weitere Wüstungen innerhalb der heutigen Feldmark nicht unerwähnt bleiben, nämlich eine im Westerholz und die zwiete noch etwas unsichere auf dem Sabel.
Der aufmerksame Betrachter kann heute noch im Desebruch wie im Westerholz Ackerbeete und Ackerkomplexe erkennen.

Im Jörde-Buch 1692
(Nds. Staatsarchiv Stade Rep. 74 Seite 169 Nr. 1)
erscheinen erst in den Nachtragungen Acker auf dem Sabel. Die Flurform vor der Verkopplung und Gemeinheitsteilung Köhlen 1840-1855 zeigen jedoch Flurformen, die vergleichbar sind mit den Altackern im Wester-, Süder- und Osterfeld. Es erhebt sich hier die Vermutung, daß eine wüste Feldflur wieder in Kultur gekommen ist. (Aufsatz, unveröffentlicht)

Die Fragen nach der aktiven Zeit dieser Siedlungen, Anzahl der Bewohner, Verbleib der Einwohner usw. sind bis jetzt ungeklärt. Ob die abgegangenen Siedlungen mit dem heutigen Dorf Köhlen zusammen zu sehen sind oder jede für sich, werden weitere Forschungen erbringen müssen.

Deutlicher als bisher lassen die Aufzeichnungen des Amtmanns Koch in Bederkesa den Ord und vor allem die Einwohnerschaft und die Grundherrschaften erkennen:

(Kochsche Amtsbuch um 1600 Kreismuseum Burg Bederkesa)
Alle genannten "Meyer" sind mit ihren Ausstattungen an Acker und Wiesen aufgeführt, ebenfalls die an die Grundherrschaften zu leistenden Abgaben an Naturalien und Dienstleistungen. Es sind Vollhöfner, Halbhöfner und Kötner. Zusammen 35.

Etwas ausführlicher noch als das Kochsche Amtsbuch gibt uns das Jördebuch ein Bild von der damaligen Einwohnerschaft und deren Liegenschaften.

Als Beispiel Eintragung Nr. 1:
Cordt Stürcken (nun Hinrich Hillbrandt, nun Christoph Hillebrand) Ist ein Baumann, hat ein Hauß von 6 fachen, eine Scheune von 5fachen, ein Klein Hauß von 3 fachen. Ein Kohlhoff von 1 Himbten saat. Noch ein Hoff der Rahde Hoff genannt. Ein Stück darin von 1/2 Hbt. saat ist benachbaret Johann von sosten ins Norden und Tonnies borchers ins Süden. Ein Stück in dem Achterhoff ist benachbaret Osten der Zaun Westen Clauß Appiari Fabian Goetjen.

 

Es folgen dann die Aufzählungen der Liegenschaften. Im genannten Jördebuch heiß es zum Schluß unter Köhlen:
Eß Seindt Auch in Köhlen Fünff Brinksitzers (Namen) Seit ungefähr 1600 (Kochsche Amtsbuch) hat sich die Anzahl der Vollhöfe, Halbhöfe und Kötner unwesentlich verändert.
Einen kräftigen Zuwachs erfahren die Brinksitzer und Häuslinge. Folgende Aufzeichnungen gewähren uns Einsichten in vergangene Jahrhunderte.

1586 16 Pfennig Schatz Register
(Nds. Staatsarchiv Stade Rep. 5b, F 110, Nr. 74, Bd I) Seite 167 und 168, 13
Köhlen, ein Dorff gegen Westen. Im Westerholz liegen noch einige Rudera, als ob vor diese allda eine Capelle gewesen wäre, wie man noch vor wenigen Jahren viele Steine aus der Erden gebrochen.
Ao. 1675 ist die Pest hier sehr hefftig gewesen, daß wenige Haußwirthe lebendig geblieben.

Der 1. Teil dieser Beschreibung ist unklar, weil nicht deutlich wird, ob es sich um vorgeschichtliche oder mittelalterliche Anlagen handelte.

Zum 2. Teil ist anzumerken, daß mit dem Jahre 1675 eine Anzahl von Familiennamen verschwinden und anere dafür an die Stelle treten. Die neuen Namen sind Familiennamen, die in der Börde Ringstedt mehrfach vorkommen.

Das Feuerstellenverzeichnis von 1735 nennt uns 18 Vollhöfner, 2 Halbhöfner, 14 Kötner, 24 Brinksitzer, 24 Häuslinge, 1 Schulmeister und 1 Kuhhirten alle namentlich.

Zusammen 84 Feuerstellen (Feuerstelle = Familie)

(Nds. Staatsarchiv Stade Rep. 74 Lehe, Fach 48 Nr. 3)
Das Brandkassenregister von 1753 (1. Jahrgang) - Amt Bederkesa
Archiv der landschaftlichen Brandkasse für Bremen und Verden (Res. XV im Ritterschaftsachriv in Stade I.C.b. Fach 51 Nr. 21) gibt uns genaue Auskunft über Art und Größe der versicherten Gebäude, wie Wohnhäuser, Kleinhäuser, Scheunen und Schafkoven. Dieses Register ist eine wahre Fundgrube für alle an Bauentwicklung und Baugeschichte Interessierten.

Zudem ist dieses Register über mehrere Generationen weitergeführt worden.

Spezifikation des des sämtl. in meinem des Voigts Tonnies Borchers Destricte vorhandenen Feuerstellen oder Wohn Häuser auch wüste und unbebaute liegenden Stellen und zwar in Köhlen.

Schulhaus 1, Kuhhirtenhäuser 2, Vollhöfe 17, Dreiviertelhöfe 2, Köhtner 14, Brinksitzer 31, wüst und unbebaut 1.
Köhlen 2. April 1766 Tonnies Borchers Voigt.
(Nds. Staatsarchiv Stade Rep. 74 Lehe Fach 48 Nr. 3)

Diese Auflistung ergibt eine Summe von 67 Feuerstellen. Es sind jeweils die Hauswirte namentlich genannt, leider nicht die Anzahl der Familienmitglieder.

Vollständige Listen über Eiwohner und Wohngebäude von Köhlen aus der Zeit von 1833 bis 1858 geben ein sehr genaues Bild über die Dorfstruktur und die Bewohner.

Diese Listen sind in Abständen von 3 Jahren jeweils neu angelegt. Weil eine gewisse Zählordnung eingehalten worden ist, läßt sich gut nachvollziehen, wie der Ort sich im Zuge der Verkopplung und Gemeinheitsteilung in Köhlen verändert hat. (Nds. Staatsarchiv Stade Rep. 74 Lehe Fach 48 Nr. 6 - 15)

In diesem kurzen Bericht sind eine ganze Reihe von Fragen aufgeworfen, jedoch weniger beantwortet worden; dieses muß späteren Arbeiten vorbehalten bleiben.

Herrmann Claussen,

Ortsheimatpfleger

 
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