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Als langjähriger Ortsheimatpfleger in meinem Heimatort Köhlen habe
ich unter anderem Flurnamen in einem Gebiet, das mit der heutigen
Gemarkung Köhlen identisch ist, gesammelt. Die Sammlung ist aus
verschiedenen Quellen zusammengekommen: mundartlich gebrauchte
Flurnamen und schriftlich überlieferte
Die schriftlichen Quellen
Da ist zunächst das "Kochsche Amtsbuch", 1599 angelegt vom bremischen
Amtsmann Johann Koch. Koch war ein bremischer Verwaltungsbeamter und
zuständig für die beiden Börden Debstedt und Ringstedt, also für das
bremische Amt Bederkesa. Da es darin im Wesentlichen um Beschreibungen
der Liegenschaften und der fälligen Abgaben geht, handelt es sich wohl
um ein Steuer- und Abgabenbuch für die Bewohner der Dörfer, die an das
Amt Bederkesa lieferten.
Als weitere Quelle wurde das Jördebuch von 1692 für die
Flurnamensammlung ausgewertet. Das Jördebuch ist unter schwedischer
Regierung 1692 angelegt worden. Es erfasst wie das "Kochsche Amtsbuch"
die Liegenschaften und Hofanlagen mit allen Gebäuden und Nutzungsarten
sowie eine Beschreibung der zu leistenden Abgaben.
Eine sehr gründliche Quelle ist auch die Grundsteuer - Mutterrolle aus
dem Jahre 1826. In dieser Steuerliste ist alles aufgeführt, was von den
Besitzern in Nutzung war, auch das kleinste Gartenstück, welches noch
von Altenteilern bewirtschaftet wurde.
Im Jahre 1840 wird das Köhlener Verkoppelungsverfahren und die
Gemeinheitsteilung eingeleitet. Dazu war es notwendig, eine totale
Bestandsaufnahme von allem, was von diesem Verfahren berührt wurde, zu
machen. Der Altbesitz musste festgestellt werden, ebenso Grenzen,
Nutzungsrechte wie z.B. Tränken, Kirchwege, Postwege, Fischerei- und
Jagdrechte sowie grundherrschaftliche Bindungen. Gleichzeitig wurde von
dem Verfahrensgebiet eine Karte im Maßstab 1:3200 angelegt. Diese
Unterlagen dienten ebenfalls als Quelle.
Die Flurnamen
Bei der Auszählung der Flurbezeichnungen sind etwa 120 Namen zusammengekommen, von denen einige hier genannt werden. Direkt
angrenzend an die alte Dorflage befindet sich der Altacker, das
Westerfeld, mit folgender Unterteilung: Die Kreuzacker, Bookenacker,
Eeksacker, Die Kerdingsacker, Die Dohrensacker und Die Theeacker,
weiterhin das Osterfeld mit den Langen Ackern und die Hornacker.
An diesen Feldlagen waren alle Köhlener Vollhöfe beteiligt. In den
Randbereichen der alten Feldlagen befanden sich Kämpe, die im
gemeinsamen Besitz der Vollhöfner und Kötner waren, was für einen
gemeinsamen Landausbau spricht. Die Kämpe haben Namen wie: Auf dem
Kronskamp, Auf dem alten Kamp, Auf dem Kampe, Auf der Mellah, Auf dem
neuen Kamp, Auf dem Sabelskamp, Der Brandhagenskamp und der Schäferkamp.
Mit Aufkommen der Brinksitzer im späten 17. und bis zur Mitte des 18.
Jahrhunderts wurden neue Flächen aus der Gemeinheit in Kultur genommen
- auch diesmal wieder in den Randbereichen der bereits bestehenden
Kulturflächen. Und auch für die neuen Kulturflächen mussten wieder
Namen gefunden werden.
Da die Brinksitzer nicht an den alten Bauernholzungen beteiligt waren,
wurde bereits 1771 eine Moorfläche in der Geesteniederung parzelliert
und zur Torfgewinnung abgegeben: Das Brinksitzermoor.
Weitab vom Dorf wurde der Stühbuschkamp angelegt, der als Acker nur den
Brinksitzern zustand. Die neu geschaffenen Grünflächen hießen
Bormbrook, Sellsbrook, Brookhoff, Deichwiesen und Auf den Blöcken.
Bis 1840 war, abgesehen von der Gemeinheit, alles in Kultur, war
irgendwie möglich war. Die vielhundertjährige Entwicklung des Dorfes
mit all ihren Namen wird bei deren Betrachtung verständlich und
nachvollziehbar.
1840 kam es zur Verkoppelung und zur Gemeinheitsteilung, und im Zuge
dieses Verfahrens wurde ein größtenteils neues Wege- und Gewässernetz
angelegt. Die Gemeinheit wurde parzelliert und anteilsmäßig den Höfen
zugeordnet, ebenso die Altacker. Nur die natürlichen Grünflächen an den
Wasserläufen waren ausgeschlossen.
Im Rahmen der Neuordnung sind verständlicherweise viele Klein- und
Kleinstflächen den größeren Flächen zugeordnet worden. Auch sind alte
Feldlagen zerteilt und zu größeren Flächen neu zusammengefasst worden.
Dieses Verfahren hat eine tiefgreifende Veränderung mit sich gebracht,
in dem viele Flurnamen unnötig wurden. Ihre Zahl ist auf die Hälfte
geschrumpft. Einige Flurnamen sind auch durch Neueinteilung ziemlich
verrutscht. Demgegenüber mussten für die neuen Flächen in der
verteilten Gemeinheit Namen gefunden werden.
Alte Flurnamen entziehen sich häufig der Erklärung. An einigen
Beispielen soll versucht werden, Flurnamen wieder verständlich zu
machen.
Beerhorn In der heutigen Feldmark Köhlen befindet sich an
der Gemarkungsgrenze zu Großenhain ein größeres Waldgebiet. Bei der
Gemeinheitsteilung ist es in Flächen von 15 bis 20 Morgen 16 Besitzern
zugeteilt und um 1900 von ihnen aufgeforstet worden. Bis heute ist dort
ein stattlicher Wald herangewachsen, der in der Topographischen Karte
1:5000 als Bärwald bezeichnet wird. Mundartlich heißt dieses Waldstück
Beerhorn.
Beide Namen wollten nicht die richtige Zustimmung finden. Geholfen hat
schließlich die Karte der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1768, die
den Flurnamen Pferde-Hörn überliefert. Das bedeutet, dass es sich hier
vor der Gemeinheitsteilung um die gemeinschaftliche Pferdeweide
handelte.
Öllerswiesen Inmitten von ungeteilten Flächen, also in der
Gemeinheit, liegen die Ölerswiesen (Ellernwiesen). Im Jahre 1840 sind
sie im Besitz von 2 Kötnern und einem Brinksitzer. Diese Wiesen liegen
in einem flachen Tal, durch die ein kleiner Bach fließt. Diese Talung
ist an der schmalsten Stelle zwischen zwei Höhenzügen durch einen Damm
abgesperrt. Über diesen Damm führt, ganz in der Nähe der kleinen
Ansiedlung Desebreek, die heutige Verbindungsstraße von Köhlen nach
Großenhain.
Der beteiligte Brinksitzer hat sich hier vermutlich eingekauft, denn
die betreffende Stelle ist erst 1817 neu entstanden. Fast gleichzeitig
sind zwei Kötnerstellen aufgegeben worden. Es kommt die Vermutung auf,
dass es sich um Reste einer Wassermühle handeln könnte, die den Herren
von Desebüttel (auch Desebrug) gehörte.
Die Siedlung Desebüttel wird kurz vor 1400 letztmalig erwähnt. Der
aufgegebene "Mühlenteich" ist als Grünland (Wiese) in Nutzung genommen
worden.
Kreuzacker und andere Beim Sammeln und Zuordnen der
Flurnamen sind mir folgende Namen aufgefallen: Kleiner Kreuz Balken,
Kreuz Acker, Kreuz Balken, Eekskrüzenkamp und die Kreuzloge. Westerfeld
und Osterfeld, die Altacker von Köhlen, bilden eine etwa rechteckige
Fläche, direkt an der Ortslage anschließend.
An der nordwestlichen Ecke findet sich der Kleine Kreuz Balken, an der
südwestlichen Ecke der Kreuz Balken. Zwischen diesen beiden Punkten
befindet sich die Feldlage Die Kreuzacker.
An der südöstlichen Ecke der alten Feldlage findet sich der Name Beim
Eekskrüzenkamp. Die Kreuzloge befindet sich nördlich des Dorfes und ist
ein kleines Waldstück an einem nicht mehr vorhandenen Teilstück des
alten Kirchweges nach Ringstedt.
Man kann vermuten, dass die angegebenen Stellen Standorte von
Heiligenfiguren oder -kreuzen waren. Dann wären die alten Wege um die
alte Feldlage Prozessions- oder Kreuzwege gewesen.
Die Brockoh Die Brockoh ist ein Gebiet im östlichen Teil
der heutigen Feldmark Köhlens. Sie umfasst eine Größe von ca. 4000 mal
1500 Metern. Dieses Gebiet war bis 1840 Gemeinheit ohne feste Grenzen
zu den Nachbargemeinden. Weideberechtigt waren Altenstühlen, Altenkamp,
Kleinenhain, Heinschenwalde, Bokelah, Drachel, Drittgeest und die
Dorfschaft Köhlen.
Was ist oder war nun die Brockoh?
Die Grenze zwischen den heutigen Gemeinden Ebersdorf/Neu Ebersdorf und
Köhlen bildet ein natürlicher Waserlauf, die Mehe, auch Kleine Mehe
genannt.
Und eben dieser Wasserlauf wird zur Zeit der Kurhannoverschen
Landesaufnahme 1768 die Brookau ganannt und bildete die Grenze zwischen
dem Amt Bremervörde und dem Amt Bederkesa.
Dieser kleine Wasserlauf ist die Grenze zwischen dem Landkreis
Rotenburg/W. und dem Landkreis Cuxhaven und sein Name hat sich mit den
Kultivierungen über ein großes Gebiet ausgeweitet.
Der Name Brockau hat sich bis heute erhalten, gesprochen mit der Botonung auf dem -au.
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